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Ein Rückblick von
Jörg Küpperfahrenberg

Ein Rückblick geschrieben von Jörg Küpperfahrenberg über den Künstler David Kornowski

Autor: J. Küpperfahrenberg
Datum: 04.12.2015
LINK: Kanzleihaus Essen

DER HIRSCHLANDSAAL
DES FOLKWANG MUSEUM ESSEN

Eine Institution der internationalen Kunstwelt aus dem Ruhrgebiet

Das Folkwang Museum in Essen gehört zu den internationalen Museen und ist ohne Zweifel in Deutschland eine Institution und gleichzeitig Repräsentant für das Ruhrgebiet. Ursprünglich hatte das Folkwang Museum seinen Sitz in Hagen und wurde durch den Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus 1902 ins Leben gerufen und galt lange als Vorreiter im Bereich der Modernen Kunst.

Erst im Jahr 1921 wurde nach dem Tod von Osthaus seine komplette Sammlung nach Essen verkauft. Am 29. Oktober 1922 wurde das Museum in den Essener Goldschmidt-Villen an der Bismarckstraße unter dem Namen „Museum Folkwang“ eröffnet.

Die Sammlung des Folkwang Museums umfasst Werke des Impressionismus sowie des Expressionismus. Aber auch Stilrichtungen wie der Surrealismus komplettieren die Sammlung der modernen Kunst.

Der nächste große Wandel für das Museum war der Neubau des Folkwang Museumsgebäudes. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gab 2006 bekannt, die Finanzierung des Neubaus zu garantieren. Nach einer zweijährigen Bauzeit wurde der Neubau 2010 im Zuge des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 am 28. Januar 2010 offiziell eröffnet.

Architekt des Neubaus war der renommierte Brite David Chipperfield, der im Zuge einer Ausschreibung die Zusage des Kuratoriums für den Neubau erhielt. Chipperfield selbst sagt zu dem Neubau: „In einem Museum möchten Sie sich verlieren und der Versenkung hingeben, aber Sie wollen sich auch orientieren können.“

Dem Star-Architekten war aber etwas Wesentliches gelungen: er hat sich selber kein Denkmal gebaut, sondern hat es geschafft, der Kunst ein schlicht-schönes Gewand aus Stahl, Stein und Glas über zu legen, unter der man Kunst sehen und verstehen kann.

Der Hirschland-Saal im Museum Folkwang ist vieles. Er ist ein Teil des Museums, ein lichtdurchfluteter Raum und somit ein Teil der Fläche, die im Sinne des architektonischen Anspruchs genutzt und wahrgenommen werden soll. In der Größe verliert man sich, in der Demut der Schönheit versinken und an den klaren Formen auch orientieren. Der Hirschland-Saal gibt dem Betrachter die Möglichkeit, nur da zu sein. Zu stehen und zu sehen. Aber dieser Saal verschafft es in seiner modernen Schönheit auch, kulturelle Werte und ihren Stellenwert in der heutigen Gesellschaft darstellen zu können. Nicht allein die abstrakte Art einer Darstellung der Kunst ist Kunst. Auch der Ort, der die Kunst umgibt, verschafft dem „Kunststück“ eine besondere Kraft.

Der Hirschland-Saal lässt die Kunstwerke wegen seiner Schlichtheit und Zurückhaltung genau als solche für sich und auf andere wirken. Gerade durch den klaren Aufbau ergänzt der Saal die Kunst, ohne auf diese selber einzuwirken. Ein fast perfekter Raum. Mit den Kunstschätzen des Museums Folkwang „nebenan“ ist der Raum dann perfekt. Denn diese verleihen dem Saal die eigentliche Größe, die aber nicht in Raummetern gemessen werden kann, sondern mit Namen wie Caspar David Friedrich, Matisse oder Picasso bis zu Uecker und Richter. Der Saal ergänzt also das Museum, wird aber selber durch dieses ergänzt, wodurch eine Einheit entsteht.

Warum das Folkwang Museum?

Das Folkwang Museum steht für etablierte und anerkannte Kunst mit einem internationalen Anspruch der weltweit tonangebend ist. Genau das richtige Ambiente für den Einstand in die Welt der Kunst. Somit stand das Folkwang Museum von Anbeginn an oberster Stelle der Wunschliste. Eigentlich war von Anbeginn klar, dass eine derartige Location unerreichbar ist. Ehrlich gesagt haben wir fest mit einer Absage gerechnet, als wir am 04.08.2015 die Anfrage an das Folkwang Museum gestellt hatten.

Wir wollten eine Vernissage veranstalten. Wir wollten einen „magischen Ort“ für dieses Abenteuer. Wir wussten aber zunächst nicht wo und mit wem. Der 40. Geburtstag von David Kornowski war der Auslöser, alles auf eine Karte zu setzen und kurzum die Anfrage zu stellen.

Alles Weitere erschien uns zwar im Vorhaben mutig, aber auch als eine stückweit provokante Herausforderung, Fakten zu schaffen. Umso überraschender war dann die Antwort, die wir von den Verantwortlichen bekamen, dass man uns gerne den Hirschland-Saal anbieten würde, der genau für solche Anlässe gebaut wurde. Jackpot!

Es ist schon imposant, wenn man den ersten Schritt in den Hirschland-Saal setzt. Dabei lässt einen das ganze Areal des Folkwang Museums ehrfürchtig werden. Die von den Erbauern gewollte Zurückhaltung des Gebäudes vor der Kunst wirkt im leeren Hirschland-Saal noch nicht. Hier dominiert die Architektur. Die erste Besichtigung war überwältigend und es war sofort klar: wenn nicht hier, wo sonst müssen unsere Kunstwerke ausgestellt werden?

Von da an hatte das gesamte Projekt eine neue Dimension. Das war auch allen Beteiligten von Anbeginn an klar. Der Motor der Veranstaltung war nun der Veranstaltungsort. Um unsere Kunst also so zu zeigen, wie wir sie sehen und wie sie wahrgenommen werden sollte, bedurfte es daher nur einer wunderschönen ummauerten Hülle, in dem Fall eine Halle namens Hirschland-Saal.

Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf

Wo ist der Hirschlandsaal

„Der Streit um des Kaisers Bart oder um andere Selbstverständlichkeiten“

Wenn die provokante These oder vielmehr Frage durch Essens größte Regionalzeitung WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) publiziert wird, dann wundert sich der Leser. Warum wird die Ortsangabe des Hirschland-Saales hinterfragt und wo befindet sich dieser Hirschland-Saal?!

Der Hirschland-Saal ist zweifelsfrei der strahlende und bekannte Veranstaltungssaal des Museum Folkwang in Essen. Dass hieraus eine Frage wurde, hat folgenden Hintergrund: In der Ankündigung unserer Veranstaltung wurde neben den großen Lettern „Hirschland-Saal“ die Ortsbezeichnung und Zugehörigkeit zum Museum Folkwang klein darunter in rotem Schriftzug angegeben. Eine Ortsangabe zur Veranstaltung. Der Saal ist anders als das Museum Folkwang nicht eigens als (Veranstaltungs-) Ort in Essen ausgeschildert oder als Teil des Museums in üblichen Registern, Plänen oder Internetangeboten zu finden. Die Geschäftsleitung des Museums hatte nun 2 Tage vor der Vernissage eben hierzu erklären lassen, dass man mit dieser Ortsangabe nicht einverstanden sei. Es würde eine Markenverletzung darstellen, hieß es nun.

Wie man dem Zeitungsartikel der WAZ entnehmen kann, behauptet das Folkwang Museum, die Marke „Museum Folkwang“ sei sowohl als Wort-, als auch als Bildmarke geschützt. Man verweist explizit auf die Farbe Rot in dem Schriftzug. Dass es sich hierbei zunächst um eine schlichte Ortsangabe handelt, die den von uns beim Museum angemieteten Raum näher bezeichnet, spielte hierbei offenbar keine Rolle, als man uns schriftlich erklärte, dass die Bezeichnungen mit dem roten Schriftzug „Museum Folkwang“ von unseren Plakaten, Internetseiten, Flyern, etc. entfernt werden müssten. Sofort und alle.

Die Ortsangabe musste durch uns aber erfolgen und war im Übrigen mit den Vermietern im Detail abgesprochen. Es war alles bekannt und das seit Wochen. Das Schreiben hatte uns daher sehr enttäuscht.

Was uns am meisten ärgert ist, dass man einerseits nicht das persönliche Gespräch gesucht hat und andererseits, dass das Museum unserer Auffassung nach nur sehr wenig Mühe beim Verfassen des Schreibens auf sich nahm, obwohl die gewollte Folge für uns Künstler dramatisch sein sollte. Das Verbot der farblichen Darstellung der Worte „Museum Folkwang“ erschließt sich einem nicht, soweit die eingetragene Wortmarke nur die Worte und hierbei in schwarz erfasst. Eine automatischer Schutz für eine Farbe gibt das Markenrecht nicht her. Über eine Bildmarke oder Farbmarke verfügt das Museum aber auch nicht. Wenn aber nur ein Wort in schwarz-weißer Schrift als Marke eingetragen wurde, ohne eine Farbe und erst recht ohne die Farbe „rot“, dann wird man schwerlich nicht auf dieser Farbverletzung herum reiten dürfen.

Wenn aber die Farbe egal ist und nur die Wörter – Museum Folkwang – streitig bleiben dürfen, dann bleibt das Museum uns die Erklärung schuldig, wie man einen Raum anbieten und vermieten kann, ohne diesen örtlich benennen zu dürfen. Und es ist nun einmal der Hirschland-Saal im Museum Folkwang.

Kritisch sehen wir die Korrespondenz des Museums, weil sich dieses laut offiziellen Angaben die Förderung der Modernen Kunst auf die Fahne geschrieben hat. 2 Tage vor Veranstaltung ein derartiges Schreiben abzuschicken, ist nicht nur unangemessen, sondern fatal für den Habitus eines Museums solcher Größe und entspricht nicht dem, was wir unter dem Folkwang-Gedanken bislang verstanden hatten. David Kornowski fand es persönlich mehr als schade, dass aus seiner Sicht so mit Künstlern umgegangen werden soll und man damit in letzter Konsequenz auch entscheiden will oder sogar könnte, was Kunst ist und sein darf. Denn das Schreiben war Sand im Getriebe der Veranstaltung und hätte diese zum Stillstand gebracht, noch bevor das erste Bild hing. Damit wäre das mühsame Engagement der jungen Künstler gestoppt worden. Letztlich und das muss man aber auch ehrenrettend für alle Verantwortlichen sagen, ist alles gut ausgegangen und das Museum Folkwang hat es auch bei seinem Schreiben belassen. Die Vernissage wurde so beworben und so umgesetzt, wie zunächst angekündigt. Wir wollen das Verhalten folglich als verständige Einsicht verstehen, das Museum vielleicht als Nachsicht. ‚Ansichtssache‘ eben, und damit eben nicht nur eine rechtliche Bewertung, sondern eben auch eine künstlerische Sichtweise. Der kleine „David“ hätte gesiegt, meinte Herr Kornowski, mit einem Zwinkern und Lächeln zu uns.

Jörg Küpperfahrenberg

04.12.2015


(Jörg Küpperfahrenberg)