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Ein Biografie geschrieben von E. Hartsch

VORWORT

Als Autor und Musikjournalist habe ich mir schon früh angewöhnt, sorgfältig zu recherchieren. Für mich gibt es nichts Peinlicheres als Recherchefehler. Es soll Journalisten geben, gerade im täglichen News-Geschäft, die sind in dieser Hinsicht wesentlich schmerzfreier als ich. Es soll Redakteure geben, die verbiegen die Wahrheit täglich, so oft, dass es ihnen schon gar nicht mehr auffällt.

Als ich mich im März 1995 an die Biografie der Böhsen Onkelz wagte, einer über die Maßen von ihren Fans geliebten und der Tagespresse gehassten Band, wollte ich keine Fehler machen. Ein Thema, das mich nicht nur interessierte, sondern auch persönlich berührte und zudem eine große Herausforderung darstellte. Schnell wurde klar, dass die Wahrheit ganz und gar nicht dem in der Öffentlichkeit durch die Medien gezeichneten Bild entsprach. Aber wie konnte ich diese Dinge in meiner Biografie belegen?

Kurzum, meine Recherche musste lückenlos sein, musste jedem Ansturm der Empörung durch weniger gründliche Kollegen widerstehen können. Auf der Suche nach Informationen über die Böhsen Onkelz setzte ich mich auch mit vielen Fans in Verbindung. Da gab es damals eine ganze Reihe von Fanatikern, die jeden nur erdenklichen Schnipsel aus jeder nur erdenklichen Zeitung sammelten und über umfangreiche Archive verfügten. Einer dieser besessenen Sammler war David Kornowski aus Essen.

Mir ging es darum, die Herkunft eines Böhse Onkelz Album Cover Motivs zu klären. Die cartoon-artige Darstellung des „Glöckners von Notre Dame“, komplett mit Ziege und Frau unter´m Arm. Das war die Abbildung des zweiten Onkelz Vinyl Albums von 1985 „Böse Menschen – böse Lieder“. So viel ich wusste, stammte dieses Motiv aus einem Comic der französischen „Pilot“ Reihe aus den frühen Achtzigern und David Kornowski war der einzige Fan weit und breit, den ich ausfindig machen konnte, der dieses Comic besaß. In hervorragendem Zustand und in Klarsicht-Schutzhülle verpackt.

Es entstand einer reger Briefverkehr zwischen David und mir. Nicht nur hatte er mir mit dem Comic weitergeholfen, sondern er konnte mir auch andere „unauffindbare“ Raritäten aus dem Onkelz-Kosmos besorgen. Abstruse Frankfurt – „Dance to Trance“ Compilations, frühe Techno und Elketronik Juwelen, auf denen Stephan Weidner irgendwann einmal Bass gespielt hatte. David hatte alles und wusste alles. Und das noch vor dem großen Durchbruch des Internets.

Auch wenn wir uns nach der Veröffentlichung der Onkelz Biographie im Herbst 1997 weniger sahen, brach der Kontakt nie vollständig ab. Zumindest wusste man immer, was der andere tat. Heute ist es mir eine Freude, ihn bei der Inventur, seiner bisherigen Arbeit zu begleiten. Was David Kornowski im Laufe der letzten 20 Jahre an kreativer Arbeit leistete, soll Inhalt dieser Seiten sein.

Viel Spaß beim Lesen

Edmund Hartsch, 2011

Fussnoten:
Biographie Böhse Onkelz Danke für nicht! Bestseller 1999
Böse Menschen – böse Lieder Cover
Pilot Comic "Der Glöckner von Notredame"
„Dance to Trance“ Compilations

Schulzeit und Ausbildung

Davids Lebenslauf ist nicht unbedingt das, was man als einen „typisch-deutschen“ Lebenslauf bezeichnen könnte. Die Mutter stammt aus Südkorea, der Vater aus Deutschland. Geboren wird David in Essen im August 1975 und besucht dort die freie Waldorfschule, deren ganzheitliche Lehrmethoden schon früh seine Liebe zur Darstellung beflügeln.

Mit einer soliden spirituellen Basis ausgerüstet und durch eine anthroposophische Erziehung geprägt, beginnt der Junge bereits im Kindes- und Jugendalter mit der Bildhauerei, malt, gestaltet und versucht sich an ersten graphischen Layouts. Textildrucke für T-Shirts und Covergestaltungen für befreundete Bands folgen. Musik, Comics und Computerspiele bündeln seine Interessen und dominieren die Formen seiner Darstellungsarbeiten über einen großen Teil der späten Achtziger und frühen Neunziger Jahre.

So ist es nicht verwunderlich, dass David nach der Fachoberschulreife auf der Freien Waldorfschule Essen, sogleich ein berufsvorbereitendes Jahrespraktikum am Aalto Theater in Essen absolviert und sich im Anschluss zum Theaterplastiker ausbilden lässt. Die Erstellung von Bühnenbildern, von Skulpturen und Reliefs sind nun seine ganze Leidenschaft. Das „Imitieren“ von Mineralien, wie beispielsweise Stein, Granit oder Basalt, von Werkstoffen wie Metal, Eisen oder Stahl, von Zuständen wie „verrostet“ oder „alt“, von „Patina“ oder „Firnis“.

Das Erschaffen von „Plastiken“ ist nun die Arbeit, die ihn nicht nur voll einnimmt und über die gesamte Dekade der Neunziger beschäftigt, sondern, die ihn auch emotional fordert und ganzheitlich befriedigt. Den Abschluss als „Staatlich geprüfter Theaterplastiker“ macht David Kornowski 1999 vor der Deutschen Oper in Berlin.

Von 1995 bis 2000 verändert das Internet und die digitale Technik alles. Radikal. Verwaltung, Bank- und Rechnungswesen, die Medizin, das Militär, die Art zu regieren und zu kommunizieren, den Umgang der Menschen untereinander und letztendlich auch die Wahrnehmung. Die Wahrnehmung von Medien und von Kunst. Bereiche verschmelzen miteinander und so gibt es neuerdings Berufszweige, die sich „Multimedia Designer“ nennen.

David Kornowski wird einer von ihnen, als er sich zu Beginn des neuen Jahrtausends an der Incurricula GmbH in Essen ausbilden lässt. „Webdesign“ wird eine neue Leidenschaft. Dazu kommen „Druckvorstufe“, „DTP“ und „Layout“, „Audio- und Videoproduktionen“ und „3D Anwendungen“ sowie „Interaktive Multimedia Präsentationen“. 2002 erhält David sein Zertifikat als Multimedia Designer.

Arbeit als freischaffender Künstler

Nur vom Erstellen von Bühnenbildern kann man nicht leben. Schon gar nicht in Essen. David Kornowski strebt die Unabhängigkeit an. Auch wenn er bereits seit 1998 kleinere Jobs übernimmt, so steigt er erst ab 2000/2001 – EU gefördert –vollends in das Haifischbecken der Selbständigkeit hinab. Und immer bleibt da auch seine Liebe zur Musik.

Für die Frankfurter Punkband „Hassmütz“ entwirft er Bandlogos und Schriftzüge. Der Frankfurter Hip Hop Star und spätere Erfolgsproduzent Moses Pelham, Entdecker von Xavier Naidoo, Sabrina Setlur und Cassandra Steen, modelt für einen von David´s Portfolio Katalogen. Für Deutschlands meist geliebte/gehasste Band „Böhse Onkelz“ modelliert er Plastiken nach Albumcovermotiven, die fortan auf jeder Tournee der Frankfurter Ausnahmeband dabei sind.

Für die Psychobilly Legenden „The Meteors“ aus England kreiert David eine Büste und fertigt später (2010) das Cover zur Solo CD von P.Paul Fenech an. Aber auch konservativere Arbeiten werden von ihm erledigt. Grusskarten für große Firmen, Inneneinrichtungen für Tattoo Stores, Firmenschilder und konstant hält er seinen alten Leidenschaften die Treue, den Layouts und dem Textildruck. Das führt ihn zu exklusivem Band-Merchandising und somit auch bald zur Betreuung und zur künstlerischen Beratung für Bands und Event Agenturen.

David Kornowski ist ruhelos. Von Essen nach Düsseldorf, um bei SET, der Securityfirma der Toten Hosen beratend im Eventbereich tätig zu werden. Sowohl im künstlerischen Bereich, als auch in den Bereichen Bühnen Dekoration und Merchandising. Sein Leben, nicht unbedingt ein schnurgerade verlaufender Zeitstrahl, bringt ihn immer wieder mit Musikern, mit Künstlern und mit Kreativen zusammen. „Mulitmedia Design“ entwickelt sich mehr und mehr zu seiner großen Stärke. Hier liegen seine Talente und hier bildet er sich beständig fort. Bild und Ton, Video und Audio.

Internet, dtp, html und flash. Dazu kommen DVD Produktionen und Herstellung von CD Covern. In den Jahren 2003 bis 2007 macht David Kornowski mehr Praktika als an zwei Händen abzuzählen wären. Ton- und Kameraassistenz, redaktionelle Arbeiten oder Kaffeekochen. David macht alles. Bei RTL, bei Radio NRW, bei Textildruckereien und wenn das Geld nicht reicht, übernimmt er auch schon mal die Nachtschicht im „Petit Bistro“ in der BP Tankstelle gleich um die Ecke.

Davids Zielstrebigkeit zahlt sich aus. Gegen Mitte der ersten Dekade ist David Kornowski ein gut vernetzter Multimedia Künstler mit einer langen Liste zufriedener Kunden. Zeit also, die Selbständigkeit einen Schritt weiterzuführen. David engagiert sich im Bereich der Musik Dokumentationen und entwirft sein eigenes Street Wear Label. Die erste war eine gute Idee, die zweite nicht.

Nichts ist wie es scheint

Die Labelgründung der T-Shirt Marke „Hatecore“, Ende der Neunziger Jahre, sollte ihm noch eine Menge Kopfzerbrechen bereiten. Unbekümmert grüßt David Kornowski im Impressum seines Kataloges der „Hatecore“ Marke auch die Böhsen Onkelz, damals schon seit mehr als 12 Jahren aus der Skinheadszene ausgestiegen, inzwischen beim Major „Virgin Records“ unter Vertrag und – jedenfalls wenn man sich auskennt – als absolut unproblematisch einzuschätzen. Das sieht die ANTIFA anders und veranstaltet eine Hexenjagd auf David Kornowski, die in ihrer sinnlosen Albernheit kaum zu überbieten ist.

Der „antifaschistische Kampf“ gegen David Kornowski zieht sich von 1998 bis 2006. Irgendwann sieht die ANTIFA ihre Fehler ein. Während einer Pressekonferenz in ihrer Hauptzentrale – anwesend sind auch gut 50 vermummte Autonome, manche von ihnen mit Kampfhunden – gelingt es David, sich glaubhaft von „Rechts“ zu distanzieren und einen „Freispruch“ zu erwirken. Die „Streetwearszene“ steht geschlossen hinter ihm, Freunde sprechen für ihn, das Ox und das TurntoRock Magazin schlagen sich auf seine Seite und bringen zum Ende hin sogar das PlasticBomb Magazin dazu, den „antifaschistischen Kampf“ gegen David Kornowski abzublasen. Eine reife Leistung, bei der sich die ANTIFA wie so oft nicht mit Ruhm bekleckert.

Textildruck und Textildesign ziehen sich wie ein roter Faden durch Davids Leben. Ebenso wie das Gestalten freier künstlerischer Arbeiten. Und immer und überall kommt die Liebe zur Musik dazu und zum graphischen Arbeiten im musikalischen Umfeld.

„The Story of Psychobillies“ ist Davids erste Musikdokumentation. Eine in eigener Regie geführte Arbeit, bei der er auch Schnitt und Ton übernimmt. Ein 20 Minüter, der sich mit dem Subgenre „Psychobilly“ beschäftigt und die wichtigsten Bands vorstellt. Es gibt nichts Vergleichbares in der kleinen Szene. Für seine Dokumentation interviewt er auch die Legenden der Szene, Götz Altzmann´s erste Band „Sunny Domestozs“. Die Premiere im Essener Cinemax ist ausverkauft.

Daneben der kurze Kunstfilm „Nachgedacht“ und Musikvideos u.a. „Devil in Disguise“.

Später wird David auf diesen Erfolg aufbauen und bei der großangelegten DVD Produktion „Von A nach W.“ für Stephan Weidner und seine Band „DER W.“ die Backstagekameraführung übernehmen.

Während der zweiten Hälfte der ersten Dekade des neuen Jahrtausends, baut David Kornowski seine Selbständigkeit weiter aus. Er arbeitet als Online Konzeptioner bei der Perleberg AG, als Kreativ Direktor bei der Promostore GmbH, bei Outcast Hotterthanhell und bei Ecim Marketing.

Solange bis er schließlich um 2009 seine eigene Merchandise Firma „Merchprom“ gründet. Ein Betrieb, der sich neben Textildruck, auch um die Produktion und die Herstellung von Werbemitteln kümmert. Schnell erarbeitet sich David Kornowsik mit seiner Zuverlässigkeit einen Kundenstamm, der neben der „Mayday“ Veranstaltungsagentur und des „Nature One Festivals“ auch die Bundesregierung, Starbucks, Vodafon, Sven Väth, die Katholische Kirche Deutschland und andere umfasst.

2012 schließlich übernimmt David Kornowski in eigener Verantwortung und als Freelancer die gesamte Merchandiseabteilung des Musiklabels 3r-Entertainment in Frankfurt.

Edmund Hartsch, 2012